Warum wir uns selbst immer wieder verlassen und wie wir zurück zu uns finden
- corinnadrahm
- vor 8 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Manchmal passiert es ganz unbemerkt.
Wir sagen Ja, obwohl wir Nein meinen.
Wir funktionieren, obwohl wir erschöpft sind.
Wir treffen Entscheidungen, weil sie vernünftig erscheinen, nicht, weil sie sich für uns richtig anfühlen.
Mit der Zeit entfernen wir uns immer weiter von uns selbst.
Nicht aus mangelnder Stärke.
Sondern weil wir irgendwann gelernt haben, dass Anpassung sicherer ist als Authentizität.
Ich kenne dieses Gefühl selbst
In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit einer Frage beschäftigt:
Wann verlasse ich mich selbst?
Nicht im großen Drama.
Sondern in den kleinen Momenten des Alltags.
Wenn ich einen eigenen Impuls ignoriere.
Wenn ich etwas tue, weil andere es erwarten.
Wenn ich glaube, erst funktionieren zu müssen, bevor ich leben darf.
Diese Gedanken haben mich tief bewegt. Denn mir wurde bewusst:
Viele Menschen kommen nicht deshalb in eine Therapie, weil sie sich selbst nicht kennen.
Sie kommen, weil sie über Jahre gelernt haben, sich selbst nicht mehr zu vertrauen.
Anpassung beginnt oft sehr früh
Die meisten von uns lernen schon als Kinder, sich anzupassen.
Wir lernen, Erwartungen zu erfüllen.
Harmonie zu bewahren.
Nicht anzuecken.
Für andere da zu sein.
Das ist zunächst nichts Schlechtes.
Schwierig wird es erst dann, wenn wir dabei den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen verlieren.
Wenn wir irgendwann nicht mehr wissen:
Was möchte eigentlich ich?
Die leisen Signale
Unsere innere Stimme wird selten laut.
Sie schreit nicht.
Sie zeigt sich oft ganz leise.
Vielleicht als Gedanke.
Als Gefühl.
Als Wunsch nach Ruhe.
Als Freude auf etwas.
Oder als ein deutliches Nein, das wir trotzdem übergehen.
Je häufiger wir diese kleinen Signale ignorieren, desto weiter entfernen wir uns von uns selbst.
Der Körper erinnert uns daran
Viele Menschen erzählen mir:
“Eigentlich wusste ich schon lange, dass etwas nicht stimmt.”
Und trotzdem ging es weiter.
Bis Schlafprobleme entstanden.
Bis die Erschöpfung immer größer wurde.
Bis Freude kaum noch spürbar war.
Unser Körper ist dabei nicht unser Gegner.
Er versucht oft nur, uns wieder in Verbindung mit uns selbst zu bringen.
Lebendigkeit fühlt sich anders an
In meinen Notizen habe ich einen Satz geschrieben, der mich bis heute begleitet:
Lebendigkeit zieht Menschen an.
Ich glaube inzwischen, dass genau das stimmt.
Nicht Perfektion.
Nicht ständiges Funktionieren.
Nicht das perfekte Leben.
Sondern Menschen, die sich erlauben, sie selbst zu sein.
Die lachen.
Die berührt werden.
Die Fehler machen.
Die ihren eigenen Weg gehen.
Diese Lebendigkeit kann man nicht spielen.
Sie entsteht dort, wo wir aufhören, uns ständig anzupassen.
Sich selbst wieder vertrauen
Zurück zu sich selbst zu finden bedeutet nicht, impulsiv jede Entscheidung zu treffen.
Es bedeutet vielmehr, wieder wahrzunehmen:
Was fühlt sich für mich stimmig an?
Wo handle ich aus Angst?
Wo handle ich aus Vertrauen?
Diese Fragen haben selten sofort eine Antwort.
Aber sie verändern den Blick auf das eigene Leben.
Veränderung beginnt überraschend klein
Viele Menschen warten auf den großen Wendepunkt.
Meine Erfahrung ist eine andere.
Veränderung beginnt oft mit kleinen Entscheidungen.
Mit einem ehrlichen Nein.
Mit einer Pause.
Mit einem Spaziergang.
Mit einem Gespräch.
Oder mit dem Mut, den eigenen Gefühlen endlich zuzuhören.
Es sind diese kleinen Momente, in denen wir beginnen, uns selbst wieder ernst zu nehmen.
Und genau dort wächst Vertrauen.
Nicht das Vertrauen in die Welt.
Sondern das Vertrauen in uns selbst.
Mein Impuls für dich
Ich möchte dir heute nur eine einzige Frage mitgeben:
In welchen Momenten verlässt du dich selbst, obwohl du tief in dir eigentlich spürst, was du brauchst?
Vielleicht kennst du die Antwort bereits.
Vielleicht hast du ihr nur lange nicht mehr zugehört.
Du musst den Weg nicht alleine gehen
Manchmal verlieren wir den Kontakt zu uns selbst so schleichend, dass wir ihn erst bemerken, wenn Erschöpfung, innere Leere oder ständige Unzufriedenheit entstehen.
In der systemischen Therapie geht es für mich nicht darum, dir zu sagen, wie du leben solltest.
Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, was für dich stimmig ist.
Denn ich bin überzeugt:
Die meisten Menschen müssen nicht jemand anderes werden. Sie dürfen sich vielmehr wieder erlauben, sie selbst zu sein.
Was du fühlst, ist Gesetz.



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